in balance - Ausstellung

  

 

die großen entweder-oder-fragen

mit ja. beantworten

 

in balance ist der Titel der Ausstellung zum Abschluss der Projektphase „Kunst und Religion in der Fastenzeit“ des Berufskollegs. Zu sehen sind Momentaufnahmen innerer und äußerer Ausgeglichenheit und Balance. Sinnbilder des Lebens, auf den ersten Blick fragil und verletzlich auf den zweiten zeigt sich belastbare Tragkraft. Die Projektleitung haben die Kolleginnen verantwortet: Frau Dr. Daniela Nebel und Frau Barbara Mößner.

 

Projekt und Ausstellung wollen inneren Frag- und Suchbewegungen Ausdruck verleihen und dadurch Begegnungsräume schaffen mit sich selbst, als Autoren der eigenen Lebensgeschichte, und mit dem fremden Betrachter. Während der Arbeit erleben sich die Teilnehmenden als Beobachter ihrer Welt, sie wählen aus ihrer Umgebung das, was für sie reizvoll (positiv oder negativ) erscheint. So werden hier Christbaumkugeln und dort Red-Bull-Getränkedosen in die wachsende Skulptur integriert. Das was aufgegriffen und eingefügt wird, erhält Be-deutung und wird zum Teil des Gesamtwerkes. Ihm wird ein Wert zugeschrieben, ob es das Gefüge in seinem momentanen Zustand stabilisiert oder ins wanken bringt.

 

Autopoesie in dynamischem Gleichgewicht

Was zunächst statisch und stabil wirkt, entpuppt sich als ein dynamisches Gleichgewicht. „Wie? Nicht geklebt?“ meint dann auch eine Betrachterin. Tatsächlich sind die Objekte keine starr gegossenen Denkmäler sondern eher Blitzlichter oder Tagebucheinträge. - Und damit gegenwärtiger Ausdruck und Eindruck eines Reflexionsprozesses über das was es heißt, gerade hier und jetzt ICH zu sein, geworden und werdend.

Ein Luftzug, Einflüsse von außen, können alles in Bewegung bringen. Jeden Tag werden neue Erfahrungen, Wünsche, Begegnungen in den Plot meines Lebens integriert. Das bedeutet, Bestehendes neu zu sortieren und vielleicht auch anders zu gewichten. Wo das Gewählte seinen Platz findet, ist auch abhängig von dem, was bereits da ist. Kriterien, wie: so macht man das richtig oder falsch, die im Alltag von Ausbildung und Schule eine große Rolle spielen, können hier keine Anwendung finden. Das was hinzutritt darf vorallem nicht das Kunstwerk zum Zusammenbruch bringen.

Gleichzeitig liegt hierin auch Freiheit einer Lebens-künstlerin, die auch entscheiden kann, auf was sie wie ihre Wahrnehmung fokussiert, was ins Innerste eingeladen wird und mit welcher Wertung und Bedeutung es wo seinen Platz findet. Sich dabei der eigenen gestalterischen Möglichkeiten bewusst zu werden, bildete einen Schwerpunkt der Projektphase.

 

Polaritäten

In der Auseinandersetzung mit dem Menschsein treten scheinbar widersprüchliche Wünsche und Bedürfnisse zutage. Ich wünsche mir Einbindung, aufgehoben, ein Teil einer Gemeinschaft zu sein, mich ähnlich unter Gleichgesinnten zu fühlen und gleichzeitig drängt es mich nach Autonomie, um frei und unabhängig „mein ganz eigenes Ding zu machen“. Ich spüre mein Bedürfnis nach Verlässlichkeit, Dauerhaftigkeit und Treue und dann ist da die Lust auf Neues und Abenteuer. Diese Polaritäten sind nicht nur Themen von Kindern. Diese Bedürfnisse in ihrer Widersprüchlichkeit anzuerkennen und immer wieder neu auszutarieren, wie ich ihnen in meinem Leben Rechnung tragen möchte, bilden Grundthemen einer lebenslangen Entwicklung.

 

Im Zwielicht

Neben unserer Sehnsucht nach dem Licht und dem Guten, machen wir Erfahrungen mit Anteilen von uns, die uns Sorge machen oder erschrecken –

Ein Teil der Werke wurde in der Kapelle ausgestellt, um zu versinnbildlichen, dass wir uns auch mit unseren Dunkelheiten bei Gott angenommen wissen können und dass er das tragende Fundament ist, auf das wir die Skulpturen unseres Lebens bauen. Deshalb fällt nichts ins Bodenlose, wenn etwas abbricht, aus den Fugen geht, oder gar ganz zusammenbricht.

 

Quelle: Dr. Daniela Nebel

 
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